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Health 4 Me: Portrait im Interview … Präsident der Ärztekammer OberÖsterreich

Dr. Peter Niedermoser
Facharzt für Pathologie

Sein erklärtes Ziel:
die Zeitspanne gesunder Lebensjahre verlängern

Lesen Sie im folgenden Health 4 Me – Blog-Interview und Portrait,
wie der Präsident der OÖ Ärztekammer und Geschäftsführer der AusbildungsAkademie der ÄrztInnen
dies selbst umsetzt, was ihn beruflich fasziniert und
wofür er sich künftig im Rahmen seiner Standestätigkeit stark macht!

 

 

Gesundheitsfürsorge, -Vorsorge und PräventivMedizin – wie sehen Sie dies als Facharzt für Pathologie?

„Prävention wird sicherlich noch viel zu wenig betrieben. Wichtig wäre, mehr am Lebensstil zu arbeiten, denn niemand will krank werden, im Krankenhaus operiert werden und daher im Spital aufgenommen werden müssen. Krankheit zu behandeln und heilen sollte das „Back-up“ sein.“

 

 

Welcher (Fach)Bereich der Medizin stand für Sie nach dem Studium als Wunsch zur Wahl und weshalb entschieden Sie sich für den Bereich der Pathologie?

Für mich standen 3 Fächer zur Auswahl:

  • Die Allgemeinmedizin war Basis meiner Ausbildung. Diese gefiel mir grundsätzlich.
  • Die Augenheilkunde faszinierte mich auch – aber nach Zurotation auf die Abteilung stellte ich fest, dass das doch nicht das Richtige ist für mich.
  • Die Pathologie faszinierte mich früh, denn hier muss man das gesamte Bild erfassen. Der Blick für die Morphologie lag mir und gefiel mir. Für mich hat die Analyse von Geweben, die Zellbeschaffenheit, eine eigene Art von Harmonie in sich. Das Bild von Zellen hat für mich etwas Harmonisches. Diese zu beurteilen machte mir Spaß und dafür, glaube ich, habe ich Talent.
    Die Histologie, Gewebekunde, ist vor allem für die klinische Therapie von Interesse und großer Bedeutung:
    – ist das Gewebe gesund
    – gibt es Entzündungsherde oder vieles mehr
    – zeigen sich tumoröse Entartungen bei Zellen
    In der Pathologie ist man in diesen Fällen ein wesentlicher Partner für die klinischen Fächer. Vielseitigkeit aber auch ein ganzheitliches Herangehen ist hier besonders wichtig. Man muss über alle Krankheiten Bescheid wissen und sich auch der Verantwortung bewusst sein, was die gestellte Diagnose im klinischen Alltag aber auch für die Therapie der PatientInnen mit all seiner Reichweite bedeutet.
    Man muss wissen, was die Diagnose konkret bedeutet, was mache ich und was verursache ich mit der gestellten Diagnose – die Klassifizierung eines malignen Tumors mit Grad II oder Grad III in der histologischen Diagnose kann unter anderem entscheiden darüber, ob eine Chemotherapie verabreicht wird, oder man von dieser absieht.

Vor Krankheit habe ich selbst keine Angst, obwohl ich täglich schwere Krankheiten diagnostiziere.

Die Obuktion hat auch ihre Wertigkeit, ist aber im Lauf der letzten Jahrzehnte etwas in den Hintergrund getreten.

 

 


Sie sind sehr engagiert. Das bedeutet, Sie belasten ihren Körper intensiver als so mancher Alterskollege. Was machen Sie daher für Ihre eigene Gesundheit?

 Selbst bin ich ungern krank. Bis 40 Jahren machte ich kaum Sport. Fitness-Center erlebte ich frustran, da ich nicht der Typ bin, der 100 kg Gewicht stemmt. Das ist nicht mein Revier.

  • Ich habe das Laufen für mich entdeckt.
    Für mich ist dies nicht nur eine körperliche Betätigung. Laufen entspannt
    mich auch mental.
    Je nach Laufstill kann man
    – Power und Ärger rauslassen, wenn sich Energien aufstauen,
    – man kann nachdenken, wenn etwas beruflich oder privat beschäftigt oder
    – man kann gezielt trainieren als Vorbereitung für Laufwettkämpfe.
    Man kann so Belastungen und Stress rauslaufen.
  • Ich bin eher schlank und mache keine Diät. Ich halte wenig von Diäten. Wenn ich mehr esse, muss ich eben mehr laufen. Dies ist in meinem Fall eine Frage von Energie-Zufuhr und Bewegung zum Kalorien-Abbau.
  • Auch bin ich niemand, der zwischendurch isst – mein Motto hier: keine Snacks dazwischen. Ich esse, was es gibt, aber nichts zwischendurch, wie zum Beispiel Schokolade, Snack oder Chips und ähnliches. Wenn ich esse, dann bewusst.
  • Morgens trinke ich Kaffee. Meine Frau ist eine sehr gute Köchin und backt sehr gut.
    Daher esse ich morgens ein herrlich schmeckendes Stück Kuchen dazu.
  • Gegen 9:00 Uhr esse ich dann eine Jause – meist eine Wurstsemmel.
  • Mittags nehme ich eher was Leichtes zu mir, esse aber sehr häufig nichts.
  • Ab und zu genieße ich ein Bier, aber nicht in rauen Mengen!
  • Ich gehe gegen 23:00 Uhr schlafen und stehe um 4:30 Uhr auf.
  • Ich regeneriere nicht bewusst, halte die Wochenenden aber eher privat und frei.
  • Ich empfehle immer die Wahl eines/ einer VertrauensärztIn – das mache ich selbst auch. Wenn er/sie eine Maßnahme bei sich selbst auch machen würde, stelle ich keine Fragen, sondern vertraue und folge der Empfehlung.

 

 

Ich halte wenig davon, 3 ÄrztInnen zum gleichen Thema zu befragen. Das verunsichert nur unnötig. Daher ist das Vertrauen der PatientInnen in ÄrztInnen von enormer Bedeutung!

Aber eigentlich sollte das Krankenhaussystem ein Back-up sein, wie schon anfangs angeführt. Hier sind wir super in Österreich – aber in Sachen Prävention bestehen sicherlich noch mehr Möglichkeiten, die bis dato ungenützt blieben.

 

 

Wenn wir beim Vertrauen in die ÄrztInnen sind. Behandlungsleistungen – auf Kasse oder privat?
Wie sehen Sie dies? Ist es tatsächlich unanständig, privat PatientInnen zu behandeln?

Dies kommt auf die Ärztin/ den Arzt an. Wichtig ist, genügend Zeit zu haben für die PatientInnen, auch für das ärztliche Gespräch – das muss natürlich auch korrekt bezahlt werden, gleich ob von der Gesundheitskasse oder privat.

WahlärztInnen bzw. PrivatÄrztInnen haben oft mehr Zeit für Gespräche, um sich auf die PatientInnen zu konzentrieren. Man muss einfach darauf achten, dass wir das auch auf Kasse möglich machen. Zeit für Zuwendung muss korrekt abgegolten werden.  Dass sich KollegInnen gegen Kassenverträge entscheiden hängt zum Großteil mit den Refundierungstarifen der Leistungen und dem Leistungskatalog zusammen.

Wahlarzt/-ärztin oder Privatarzt/-ärztin zu sein ist nicht schlimm, oder gar etwas Unanständiges. Es steht jedem offen in Österreich, zu studieren was sie oder er mag ohne irgendeine Einschränkung. Wieso sollten gerade ÄrztInnen in ihrer Tätigkeit und freien Wahl sich für Kassentätigkeit oder andere Tätigkeit eingeschränkt werden.
Diese Diskussion erachte ich als eine Scheindiskussion und entbehrlich. Jede Ärztin/ jeder Arzt kann sich selbst entscheiden, wie sie/ er seine Leistung anbieten will – hier hat niemand dreinzureden und das soll auch so bleiben. Dafür trete ich ein.

 

 

Jüngst verlor die Apothekerkammer den Rechtsstreit gegen die OÖ Apothekerkammer:
Apotheken dürfen künftig nicht mehr damit werben, bei kleineren Erkrankungen Abhilfe schaffen zu können. Die oberösterreichische Ärztekammer hatte wegen einer entsprechenden Werbekampagne geklagt und Recht bekommen. Das Handelsgericht Wien hat jetzt in erster Instanz zugunsten der Ärzteschaft entschieden. Die beworbenen Tätigkeiten seien Ärztinnen und Ärzten vorbehalten. Weitere derartige Werbung wurde untersagt. Kooperation mit Apotheken – ein Miteinander im Dienste der PatientInnen ist grundsätzlich wichtig. Wie beurteilen sie diese?

PharmazeutInnen haben wie die MedizinerInnen ein intensives, schwieriges Studium absolviert und kennen sich mit den Medikamenten aus, mit der Pharmakologie, der Lehre der Arzneimittel. Von daher gibt es für mich eine Trennung der Aufgaben und Verantwortlichkeiten.

Nicht die Aufgabe von PharmazeutInnen ist, bestätigt durch das gerichtliche Urteil:

  • Diagnostische Tools und Analyse-Methoden zu empfehlen
  • Medikamente auszuhändigen ohne vorherige ärztliche Diagnosestellung oder
  • die Verabreichung von Therapien auch wenn man damit vermeintlich ein Geschäft machen könnte.

Ich verstehe, dass das Verkaufen von Medikation frustran wirken kann, auf das die PharmazeutInnen zum Grossteil reduziert werden. Aber die Verordnung als auch Applikation von Therapien ist und bleibt in ärztlicher Hand. Die Beratung über Wirkung und Nebenwirkung, ggf. Interaktionen ist Sache der ApothekerInnen.

 

 

Es ist und bleibt der Arzt/ die Ärztin, die die Diagnostik auswählt und durchführt, die Diagnose stellt und in Folge eine adäquate Therapie anordnet bzw. diese durchführt – und weiterfolgende Untersuchungen, wo Medikation eine Rolle spielen kann.

ApothekerInnen können in der Form nie die Rolle und Verantwortung als auch Haftung der ÄrztInnen einnehmen für den gesamten Prozess und Ablauf als auch ganzheitliche Wahrnehmung einer Person von Diagnose-Stellung, Therapie-Durchführung als auch klinische Verlaufskontrolle.

Sie kennen sich zwar mit der Wirkung und Nebenwirkung einzelner Präparate aus – aber nicht mit der gesamtheitlichen Wirkung – dafür fehlt Ihnen

  • die Ausbildung und Anwendungs-Schulung und
  • in Folge die Fähigkeit zur Stellung einer Diagnose
  • als auch die Beurteilung der Gesamtheit des Eindrucks der PatientInnen.

Nur, weil jemand regelmäßig zur Medikationsausgabe kommt, bedeutet es nicht, dass die Medikamenten-verkaufende Person das nötige Gesamtbildung und -Eindruck aber auch die Fähigkeit zur Beurteilung hat.

 

 

Wie sehen Sie davon abgeleitet die Rolle von Gesundheits- und ErnährungsberaterInnen mit unterschiedlichsten Ausbildungen und Erfahrungswerten?

 Wenn wir zum Laufen zurückkommen, hier habe ich mich zu Beginn, bevor ich regelmäßig zu laufen bekannt, von einer sportmedizinisch tätigen Kollegin  untersuchen und beraten lassen, die mir einen konkreten Trainingsplan erstellte, Checks zwischendurch machte und mich beriet in Bezug auf Laufstil, Aufbau, Backup und ob das gut ist, was ich mache.

Man kann ergänzend sicherlich zu Coaches gehen und sich zusätzlich beraten lassen. Auch habe ich nichts gegen ErnährungsberaterInnen, aber wie gesagt, ergänzend!

Für eine Lebensumstellung und Lifestyle-Adaption benötigt es zuerst ein ärztliches Durchuntersuchen – erst danach liegen konkrete Fakten vor, auf denen Empfehlungen gezielt aufgebaut werden können – richtig und korrekt.

Alles andere birgt die Gefahr von nicht richtigen bis hin zu schädigenden Maßnahmen – das trifft auch auf die verkauften Präparate zu mit der Gefahr von Überdosierungen.

 

 

Was ist Ihnen abschließend noch wichtig zu ergänzen, was liegt Ihnen noch am Herzen?

Der Anspruch der jüngeren KollegInnen an ihre berufliche Tätigkeit hat sich geändert – auch deren Anforderungen an die Arbeitswelt. Wir brauchen diese KollegInnen notwendig, um unsere PatientInnen-Versorgungs-Aufträge auch sicher zu stellen.

Sie haben ein langes und schwieriges Studium absolviert. Wenn ich mich später fortbilde, muss ich das einerseits tun, um am Laufenden zu bleiben, aber andererseits auch die Möglichkeit haben, das Geld, die Investition in meine Weiterbildung, wieder zurück zu bekommen.

Eine Form der Wertschätzung dafür von Seiten der PatientInnen ist die Bezahlung – damit ist die Bezahlung für die erbrachte Leistung nichts Schlechtes, sondern etwas Normales, wie für jede andere Berufsgruppe auch.

 

 

Gesundheitsfürsorge, -vorsorge und PräventivMedizin sind sicherlich zu wenig verankert in der Ausbildung, muss man festhalten.

Ich bin angetreten, damit die jüngeren, nachfolgenden KollegInnen Freude und Spaß daran haben, Ärztin bzw. Arzt zu sein und auch die dafür nötigen Strukturen vorfinden, gleich, ob im niedergelassenen Bereich oder im Spital als ÄrztIn tätig – es ist ein wunderbarer,  sinnvoller und schöner Beruf, der allerdings hohe Anforderungen an die Person stellt.

Es soll Spaß machen, wenn man als ÄrztIn in Österreich arbeitet – dafür setze ich mich auch in meiner künftigen Amtsperiode ein!

Auch wenn wir künftig mehr auf PräventivMedizin fokussieren, die Tätigkeit im Krankenhaus wird bleiben. Unser aller Ziel muss allerdings sein, die Zeitspanne der gesunden Lebensjahre zu verlängern!

 

Wir danken für das Interview
und wünschen für die kommende Funktionsperiode alles Gute!

Pathologie-Verbund, Ordensklinikum Linz/ Barmherzige Schwestern

Ärztekammer für Oberösterreich

 

Aus Freude am Tun – für mehr Freude am Leben:
because it makes you „feel good“!

 

Dr.in Lucia Ucsnik, MAS, FECSM
Zentrum für PräventivMedizin, Ärztliche Leitung
Ärztin für Allgemein-, Präventiv-, Sexual-,
Stress- und PerformanceMedizin

 

Health 4 Me – Blog: Portrait im Interview – die Präsidenten der Ärztekammern Österreichs 

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